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Bosch Sicherheitssysteme GmbH 13.02.2009
Biometrische Anwendungsgebiete im Bankenumfeld

Autor: Christoph Hampe
1. Ausgangssituation
Die Anforderungen an die Absicherung von Bankfilialen sind in den vergangenen Jahren höher geworden – und vielfältiger. Waren die früher üblichen „Standardfilialen“ mit einigen Beratungsplätzen, durch Panzerglas gesicherte Kassenbereiche und einem Geldautomaten in der Außenwand auch weitestgehend mit Hilfe von standardisierten Lösungen zu sichern, erfordert die Heterogenität der heutigen Filiallandschaften auch individuelle Sicherheitsmaß-nahmen, die jedoch in ein unternehmensweites Konzept integriert sein müssen.
Trotz des strukturellen Wandels und der veränderten Bedrohungslage verbinden selbst Insider mit dem Begriff „Sicherheit“ nach wie vor primär Überwachungskameras, Alarmanlagen und Tresore. Doch der Trend zur Konzentration der Beratungsleistungen in einigen großen Filialen und zur Abwicklung von Geschäftsvorfällen in automatisierten Selbstbedienungsfilialen erfordert eine wesentlich breitere Sicht auf dieses Kernthema eines jeden Instituts. Insbesondere bei der Sicherung von Hintergrundbeständen – die bei Überfällen immer häufiger erbeutet werden – sowie der Überwachung von Selbstbedienungsfilialen gewinnen intelligente Zutrittskontrollsysteme an Bedeutung. Auch der zunehmenden Anzahl atypischer Überfälle können Banken mit konventioneller Technik nur wenig entgegensetzen. Solche atypischen Überfälle, bei denen der Täter einen oder mehrere Mitarbeiter bei Arbeitsbeginn oder nach Arbeitsende abfängt, machen je nach Region bereits bis zu 15 Prozent aller Raubüberfälle aus. Hinzu kommt die Notwendigkeit, die eigenen Systeme besser mit denen der Einsatzkräfte zu vernetzen. So ermöglicht bei-spielsweise eine Live-Übertragung von Videobildern in die Alarmempfangsstellen der Polizei eine wesentlich schnellere und auch präzisere Lagebeurteilung, so dass unverzüglich gezielte Maßnahmen eingeleitet werden können.
Bereits 1996 Jahren befasste sich die Arbeitsgruppe 6 des Teletrust interdisziplinär mit der gesamten Bandbreite biometrischer Verfahren und ihrer Einsatzbedingungen. Zu Beginn der Forschungsarbeiten, war allen Beteiligten nicht bewusst wo - wie und ob sich biometri-sche Verfahren einsetzen lassen.
Nur 11 Jahre später, vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine Pressemitteilung zum Thema Biometrie veröffentlich wird.
2. Wo steht die Biometrie heute?
Wo ergeben sich sinnvolle, wirtschaftliche komfortable Ansatzpunkte im Bankenumfeld für den Einsatz solcher biometrischer Verfahren. ?
Soviel vorab: Die Anwendungsgebiete beziehen sich nicht lediglich auf das Thema Sicher-heit. Vielmehr stehen heute vernetzte Systeme im Mittelpunkt der Filialen. Prozesse verschlanken, prozessoptimierende Lösungen, Community Banking und Retailansätze - das sind die Begriffe, die zur Diskussion stehen, wenn über die Filiale der Zukunft gesprochen wird.
Biometrische Verfahren haben in all diesen Bereichen sinnvolle Einsatzmöglichkeiten. Die Tatsache, dass es ab 2009 den elektronischen Personalausweis geben wird, eröffnet wiederum neue Anwendungsbereiche für das Thema Biometrie im Bankenumfeld.
Spätestens Im Jahre 2007 ist die jahrelange Diskussion über die Zuverlässigkeit biometri-scher Systeme der Diskussion über sinnvolle Einsatzszenarien gewichen.
Sicherheit
Sicherheit in der heutigen Bankenlandschaft ist unerlässlicher Bestandteil jeglicher Planung einer Filiale. Heute beschränkt sich die Sicherheit nicht mehr auf rein physische Sicherheit von Gebäuden Räumen und damit Werten. Im Fokus steht heute die IT Sicherheit, denn war früher nur der in einem umgrenzten Raum befindliche Wert bedroht, so sind es heute die Datenbestände, die den Werte eine Unternehmens ausmachen.
Zunächst aber zur physischen Sicherheit: Physische Sicherheit wird durch Verschlusssyste-me erstellt. Zugang erlangt man heute durch elektronische Karten oder Schlüssel. Kein elekt-ronisches System überprüft jedoch die Identität desjenigen der mit der Karte Zutritt verlangt. Nur durch biometrische Verfahren kann sichergestellt werden, dass nur derjenige Zutritt erlangt, dem auch die Karte ausgehändigt worden ist. Das gilt für Serverräume, Lagerräume, Tresore wie für Eingangstüren und Zugänge zu Parkhäusern. Unbewachte
Die Sicherheit in Filialen beschränkt sich aber nicht auf physische Zugänge. Jeder Mitarbei-ter in einer Filiale merkt sich diverse PIN - Nummern und Kennworte. Sei es für den PC – Zugang oder für das Ausgeben bestimmter Geldsummen. Auch hier können die PINS – Er-satz und ErgänzungsPINs ausgespäht werden, unberechtigt weitergegeben werden oder ge-stohlen werden. Unveränderliche persönliche biometrische Daten sind nicht zu verlieren.
Wirtschaftlichkeit
Kein System wird eingeführt, wenn es nicht auch einen wirtschaftlichen Vorteil bringt. Daher ist zu betrachten, wo durch den Einsatz biometrischer Verfahren Kosten eingespart werden können.
Allein die die zentrale Verwaltung der Pass- und Kennwörter kostet einem Unternehmen viel Geld. Heute kann die zentrale Passwortverwaltung und Passwortrücksetzung automatisiert werden. Hierzu setzen schon diverse Unternehmen Spracherkennungssysteme ein, mit denen die Passwörter automatisiert zurückgesetzt werden können. Bis zu 25% aller Help Desk An-rufe haben als Grund das Zurücksetzen von Passwörtern. Die Kosten für die Bearbeitung eines solchen Anrufs liegen zwischen 10,00 und 20,00 Euro.
Die Kosten, die durch Nutzung von Spracherkennungssystemen gespart werden können, sind also beachtlich.
Eine Schweizer Privatbank mit 1.500 Mitarbeitern hat bei der Zutrittskontrolle gleich ganz auf Kartenssystem verzichtet und benutzt nur noch biometrische Erkennungssysteme. Das gilt vom Zutritt zum Gebäude bis hin zum Zutritt zu den Sicherheitsbereichen wie den Re-chenzentren und den Tresorräumen. Damit macht die Nutzung von biometrischen Merkmalen die Mitarbeiter selbst zum Schlüssel und zum Träger der Zutrittsberechtigungen. Auch bei dieser Anwendung standen wirtschaftliche Gesichtspunkte im Mittelpunkt der Investition. Das mit diesem System sowohl Sicherheits- wie auch Komfortanforderungen in Betracht gezogen worden, liegt auf der Hand.
Die Banken haben in den letzten Jahren wieder den Privatkunden für sich entdeckt und damit den Filialen wieder eine Daseinsberechtigung. Der Abbau der Filialen in den letzten Jahren stattfand ist gestoppt. Der Kunde steht wieder im Mittelpunkt des Interesses. Türkisch spra-chige Anzeigen für Banken türkisch sprechende Kundenberater und Websites in unterschied-lichen Sprachen zeigen, dass wirklich jeder Kunde, jeglicher Altersgruppe vom Jugendlichen über die sogenannten best – ager bis hin zu Senioren von Interesse ist.
Aber wie erkennt der Mitarbeiter in der Filiale „seinen“ Kunden? Anonyme Behandlung in den Finanzinstituten gab es über Jahre hinweg. Wie würde wohl ein Herr Mustermann als Bankkunde reagieren, wenn er von einer Kamera schon im Foyer als Kunde Mustermann erkannt würde und ein CRM Systeme direkt analysieren würde, dass sich die momentane Lebenssituation des Herrn Mustermann grundlegend geändert hat. Die Bank weiß nämlich, dass nunmehr sein Haus abbezahlt, die Kinder mit der Ausbildung fertig, die Lebensversiche-rung fällig und seit langem keine Auslandsreise mehr getätigt wurde. Ein intelligenter Bank-berater hätte Herrn Mustermann früher eventuell noch persönlich gekannt, evt konnte er auch noch mit einem schnellen Blick auf das Konto die „geänderte Lage“ erkennen und damit richtig beraten. Heute erkennt tatsächlich eine Kamera den Herrn Mustermann. Es wäre kein Problem ein analytisches CRM System zu starten, was innerhalb von Bruchteilen einer Se-kunde feststellen würde, was aus Sicht der Bank zu tun ist. Darüber hinaus könnten über ein solches System cross selling Potentiale festgestellt werden. In dem konkreten Fall des Herrn Mustermann würde das bedeuten, dass ihm aufgrund der Kombination seiner Erkennung und des Wissens seiner Kontobewegungen Angebote unterbreitet werden können, für die er durchaus empfänglich ist. Eine gezielte Ansprache ist nun möglich denn Herr Mustermann ist nicht mehr ein anonymer Besucher der Filiale sondern Herr Mustermann, der bedarfsgerecht beraten werden kann.
Weitere Anwendungsgebiete ergeben sich überall dort, wo es um die Sicherheit und die Be-nutzung von Kartenssystemen geht. Die Sicherheit heutiger EC- und Kreditkartensysteme ist in Frage zu stellen, wenn es um deren Benutzung geht. Die EC Automaten überprüfen näm-lich nicht, ob die EC Karten PIN von demjenigen eingegeben wurde, an den die Karte ausge-geben wurde. Das System prüft lediglich, ob die richtige PIN Nummer eingegeben wurde. Wer diese PIN eingibt, ist dem System dabei völlig gleichgültig. Zukünftig könnte von der Person, die Bargeld am GAA abheben möchte verlangt werden, dass ein Finger auf einen Sensor gehalten wird oder in eine Kamera geschaut wird, um sicherzustellen, dass die Person, die Geld abhebt auch wirklich berechtigt ist.
Letztlich werden sich in den nächsten 5 Jahren biometrische Systeme auch im Filialumfeld stark verbreiten und zur Erhöhung der Sicherheit, zu mehr Komfort und letztlich zum wirt-schaftlichen Betrieb der Filialen beitragen. Immerhin haben in der vom Fraunhofer Institut durchgeführten Trendumfrage 62,6 % der Befragten geantwortet, dass im Jahr 2015 Bio-metrie zum Sicherheitsstandard in Bankfilialen gehört. Allerdings ergab die Gesamtbewer-tung der Trendumfrage aber auch, dass In den aktuellen Investitionsplanungen Themen mit hoher Zukunftsrelevanz (z. B. Einsatz von Biometrie als Standard) heute eher nachrangig berücksichtigt werden. Es werden daher erwartete Veränderungen wenig aktiv angegangen.
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